Fotografie eines Grabsteins der Marie Omlin (1879-1918) und der Anna Omlin (1909-1916?) aus Marmor, auf einer Sandbank an einer tiefen Stelle der Melchaaschlucht. Als wir beim Fischen um die Ecke bogen, fanden wir den weissen Block auf seiner Vorderseite liegend, überspült und von etwas Ästen bedeckt. Durch seine klaren Kanten fiel er uns schnell als menschengemacht auf und wir drehten ihn um.
Nichts wussten wir über die beiden Frauen, die bereits vor über hundert Jahre verstorben waren. Die Schrift war dort, wo sie in Kontakt mit dem Bergbach gekommen war, abgeschliffen und unleserlich geworden. Ob dieses Grabmal auf einem privaten Grundstück gestanden hatte und von einem Murgang bachab geschickt worden war? Oder war der Stein bei einem Hochwasser vielleicht von noch weiter oben gekommen? Als wir ihn umdrehten, war er sehr schwer. Mir war, als hätte ich einmal bei Federer oder sonst wo von einer Sage über einen übermenschlich starken Melchtaler («dr starch Rotzer?») gelesen, der Marmorsteine aus dem Melchtal persönlich zum Sachsler Kirchenbau getragen hätte. Aber der Marmor im Melchtal war schwarz, dieser hier sehr weiss.
Konnten uns schliesslich die Namen Omlin und Rohrer und der Fundort auf der rechten (Sachsler) Melchaaseite weitere Auskunft geben? Nein, nichts hatte uns mehr zu erzählen, als vor uns lag. Wir gingen weiter flussaufwärts und fischten.