{"@context":"https:\/\/schema.org\/","@type":"ScholarlyArticle","@id":"https:\/\/artefacts.maximilianlederer.ch\/archive\/3031#ScholarlyArticle","mainEntityOfPage":"https:\/\/artefacts.maximilianlederer.ch\/archive\/3031","headline":"Rasterklischee Bettkiste","name":"Rasterklischee Bettkiste","description":"Fotografie eines Rasterklischees f\u00fcr Halbtonabbildungen in der Druckproduktion. Bei dem Klischee handelt es sich vermutlich um das Original f\u00fcr Seite 31 der offiziellen Klosterchronik von 1966. 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Bei dem Klischee handelt es sich vermutlich um das Original f\u00fcr Seite 31 der offiziellen Klosterchronik von 1966. Die \u00abKastenbetten\u00bb der ersten Klosterbewohnerinnen wurden in dieser Publikation zum (spiegelverkehrten) Symbol f\u00fcr die Entbehrungen der Anf\u00e4nge: \u00abDie ersten Schwestern f\u00fchrten ein heute kaum mehr vorstellbar opferreiches Leben.\u00bb (J\u00e4ger, Moritz, Benediktinerinnenkloster Melchtal, Melchtal 1968, S. 30). Es handelt sich bei diesem Artefakt also eigentlich um eine Fotografie einer Fotografie. F\u00fcr mich war es ein Zufallsfund. Ich hatte bei meiner Recherche im Klosterarchiv nicht mit Originalklischees gerechnet und machte mir mit diesem in Plastik eingeschlagenen Zinkpl\u00e4ttli in der Hand Gedanken zu Geschichte, Theologie und Teleologie. In meiner Masterarbeit begann ich sp\u00e4ter ein Kapitel so:&#8222;Am 13. August 1866 zog Balthasar Estermann mit drei Frauen aus dem Kanton Luzern in eine \u00e4usserst ungewisse Zukunft im Melchtal. Eine eigentliche Strasse in das Seitental war erst drei Jahre zuvor gebaut worden und es ist nicht \u00fcberliefert, weshalb er das abgelegene Dorf f\u00fcr geeignet hielt.[1] Estermann erstand das \u00abelendeste, zweist\u00f6ckige H\u00e4uschen des ganzen Dorfes\u00bb f\u00fcr Fr. 960.-. Auch f\u00fcr die handschriftliche Klosterchronik war der Fall klar: \u00abEin \u00e4rmeres, opferreicheres Leben kann man sich kaum denken, als das Leben dieser Schwestern in ihrem \u00abBethlehem\u00bb.[2] Der Blick in die Quellen der Gr\u00fcndungsjahre erscheint betr\u00fcblich \u2013 oder handelt es sich um eine gattungsspezifische Tr\u00fcbung (\u00abTrend der Strapazen-\u00dcberh\u00f6hung\u00bb)? Ohne den \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen Realit\u00e4t abzusprechen, muss an dieser Stelle einem quellenkritischen Einwand Rechnung getragen werden, wonach f\u00fcr die Historiographie von Glaubensgemeinschaften grunds\u00e4tzlich festgestellt werden sollte, dass man sich in Kl\u00f6stern der \u00ab\u00dcberlieferungs- und Orientierungsfunktion der Geschichte f\u00fcr sich selbst und f\u00fcr andere [&#8230;] wohlbewusst\u00bb war. Sinngem\u00e4ss pl\u00e4diert beispielweise Marita Haller-Dirr daf\u00fcr, bei der Quellenarbeit \u00abmit Takt und Verst\u00e4ndnis die Realit\u00e4t aus diesen Geschichten herauszulesen, ohne aber zu vergessen, dass die religi\u00f6se Instrumentalisierung zum Wertehorizont jener Zeit geh\u00f6rte.\u00bb[3] Aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden galt dies f\u00fcr die hier zu besprechende Gemeinschaft in besonderem Masse. Denn, so die erste These: Die \u00abim Keimen begriffene Anstalt\u00bb im Melchtal entwickelte sich unter schwierigen Bedingungen \u2013 und unter Beobachtung.&#8220;Fussnoten[1] KlA Melchtal, B6, Niederlassungsbewilligung Balthasar Estermann, 29. September 1866; Gem\u00e4ss Chronik \u00aberweckte [Gott] im Geiste des seeleneifrigen, mutigen Priesters den Gedanken, an irgend einer passenden St\u00e4tte ein Kl\u00f6sterlein der Ewigen Anbetung zu gr\u00fcnden. Je mehr er [Estermann] betete, desto mehr zog es ihn nach dem einsamen Bergtale im Schosse der Alpen, wo Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, schon lange einen Gnadenthron errichtet hatte, von dem aus sie an Hunderte und Tausende von Pilgern wunderbare Hilfe spendete. H.H. Estermann pilgerte wiederholt zum Gnadenbilde im Melchtal und schaute sich die Gegend an.\u00bb, KlA Melchtal, Geschichte, S. 3; Dass Estermann ins Melchtal zog \u00abum auch dort solchen weiblichen Personen [&#8230;] Gelegenheit zu geben, ihre Ziele zu erreichen\u00bb, kann insofern in Frage gestellt werden, als das Schwesternverzeichnis insgesamt nur wenige Schwestern mit Obwaldner Herkunft ausweist, Ebd.; In Zeitungsberichten wurde sp\u00e4ter wiederholt die Abgeschiedenheit des Tals pittoresk hervorgehoben (\u00abFern vom Getriebe der Aussenwelt\u00bb) und katholische Autoren betonten die unmittelbare N\u00e4he zur Wallfahrtskirche (\u00abdas T\u00f6chterinstitut unter dem Schutze der unbefleckten Empf\u00e4ngnis Mari\u00e4 am Gnadenorte Melchthal\u00bb), Obwaldner Volksfreund, 29. August 1885 (35), S. 1; \u00abWas diesem Institut einen besondern Vorzug vor andern \u00e4hnlichen Anstalten verleiht, ist seine wundersch\u00f6ne Lage in einem romantischen Alpenthale mit reinster milder Luft, ges\u00fcndestem Wasser und vielen herrlichen Spazierg\u00e4ngen [&#8230;].\u00bb, Obwaldner Volksfreund, 24. September 1887 (39), S. 2.[2] \u00abelendste\u00bb, J\u00e4ger, Melchtal, S. 28; \u00abBethlehem\u00bb, KlA Melchtal, Geschichte, S. 5; \u00abVon einem Bette, wie es selbst ganz Arme haben, war keine Rede. [&#8230;] Das Lager bestand aus einem grobf\u00e4digen, ungebleichten Sack mit Spreu, ebenso das Kopfkissen, \u00fcber beides ein rauhes Baumwolltuch und statt Federn nur eine Art graue Pferdedecken. Beim Schlafengehen wurde der Krippendeckel aufgeschlagen und die Schwester, nur in einen rauhen, groben Sack geh\u00fcllt, legte sich zur s\u00fcssen Ruhe. Diesen Sack mussten sie auch w\u00e4hrend des Tages tragen. Zilizium und besonders die Geissel waren fast t\u00e4gliche Busswerke.\u00bb, Ebd. 181 \u00abTrend\u00bb, Haller-Dirr, Schwestern, S. 232; \u00abOrientierungsfunktion\u00bb, Benz, Geschichtsschreibung, S. 52. \u00abDie Dokumente dienten vornehmlich dem Kloster selbst und seinem unmittelbaren Umfeld, der Klosterfamilie.\u00bb, Ebd., S. 64; Zu \u2039methodischen Schwierigkeiten\u203a bei Selbstzeugnissen aus Frauenkongregationen siehe Leimgruber, psychohistorisch, S. 90- 92.[3] \u00abWertehorizont\u00bb, Haller-Dirr, Jungfrouwen, S. 18.\u2028[4] \u00abKeimen\u00bb, KlA Melchtal, Geschichte, S. 7; Vgl. hierzu auch bei Meiwes, Arbeiterinnen, Kap. 9: \u00abKulturkampf. Der Eingriff von Aussen und die Folgen\u00bb, S. 288-309.aus: Lederer, Maximilian, \u00abIch kleiner Wildfang\u00bb. Die Kollektereisen von Sr. M. Maura Allenspach (1867-1945) in West- und Ostmitteleuropa, Masterarbeit Geschichte Universit\u00e4t Bern, 180 S., Bern 2022, S. 43f."}